Liegerad
Leider hat das Liegerad in seiner Geschichte keinen nachhaltigen Einfluss auf die Fahrradindustrie nehmen können, weshalb es bis heute auch eher belächelt als respektiert wird. Das wurde auch durch die wilden Basteleien der jüngeren Zeit nicht besser. Allerdings haben auch einige grosse Fahrradhersteller angefangen "gestrecktere" Fahrradvarianten zu vermarkten (z.Bsp.Giant-Revive).Gute Erfahrungen wurden auf mehreren Touren gesammelt, darunter Freiburg-Algarve (2500km). Bequemer und mit besserer Aussicht lässt es sich eigentlich nicht Radfahren. Nach kurzer Umgewöhnung an das andere Lenkverhalten und die entspannte aber auch etwas tiefere Sitzhaltung fällt einem vor allem die bessere Rundumsicht ohne Verspannung der Halswirbelsäule auf. Bei regelmässigem Training lassen sich durch den erhöhten Druck aus der Rückenabstützung auch hohe Geschwindigkeiten erreichen. Dabei kommt es zugegebenermassen schnell zur Übertreibung mit nachfolgenden Knieschmerzen......
Technische Details Holzliegerad
- Rahmen aus 9mm und 5mm Seitenteilen, Epoxidharz
- Krafteinleitungszonen am Tretlager, Steuerrohr und Hinterbauübergang massiv
- Ausfallenden, Steuerrohr und Tretlagerrohr aus Aluminium
- Sitzabstand zum Tretlager auf Gratführung stufenlos verstellbar
- Lenkerführung auch unter dem Rahmen verstellbar möglich
- Frontantrieb mit asymetrischer Stahl-Gabel
- Gesamtgewicht: 12,5kg mit Standard-Komponenten.
- Mit Leichtbauteilen auch 11 kg möglich
Herstellung des Rahmens
Die Seitenteile sind schichtverleimt aus zwei 5mm dicken Holzlagen. Diese Verleimung ermöglicht eine unkomplizierte Formgebung der Seiten, die dann den weiteren Produktionsaufwand vereinfacht. Da die Seiten erst am Hinterbau auseinander laufen, reicht es für den hinteren Bereich eine Form zu schnitzen, die man als Gegendruck für die Schraubzwingen benötigt. Im vorderen Bereich liegen die Seiten beim Verspannen einfach direkt aneinander. (Man könnte auch den ganzen Rahmen in einem Aufwasch verkleben, braucht dann aber sicher einen Helfer, damit einem das Epoxidharz nicht unter den Fingern gerinnt. Bearbeitungszeit je nach Temperatur: 40-50 min.)Am vorderen Ende der Seiten können dann die Bohrungen für die Tretlageraufnahme gebohrt werden. Nächster Schritt ist die Verklebung der 3 Krafteinleitungszonen mit den Seiten. Ausgehend von vorne (mit eingesetzter Tretlagerschelle) sollte sich das Ganze bis hinten gut ausrichten lassen, sodaß die Seiten beim Verspannen nur noch auf einer ebenen Unterlage plan aufliegen müssen. Ausserdem kann man hier schonmal die Flucht des Rahmens vermessen, auch wenn man mit Deckel und Boden noch etwas "reißen" kann.
Zwischen den Seiten sollte man für bessere Steifigkeit einige Zwischenwände einziehen ( Stärke 5mm) im Abstand von 10-15cm, das erhöht auch die vertikale Stabilität im Bereich der Sitzbefestigung. Nun lassen sich die Ausfallenden ankleben. Hier kann man vorher ode nachher ein Paar Löcher bohren um die Sache zu fixieren, inzwischen glaube ich aber, das es auch ohne diese Schrauben gehen würde. Danach werden die Innenseiten des Hinterbaus eingeklebt. Auch hier kann eine falsch gesetzte Schraubzwinge zu einem krummen Rahmen führen.
Wenn alle vertikalen Elemente gut aneinander haften (18 Stunden scheinen gut zu sein), werden Deckel und Boden aufgebracht. Vorher sollte man aber noch einmal prüfen, ob alle Elemente eine Ebene bilden, hier kann man noch mal mit der Feile eingreifen. Ich habe das Verkleben von Deckel und Boden (Stärke 5mm) in zwei Arbeitsschritten gemacht, auch hier geht einem die Zeit recht schnell verloren und dann kann es zu Problemen mit dem Harz kommen. Entsprechend der Vorgehensweise bei den Seiten wird hier das Steuerrohr als Fixpunkt eingesteckt, also besser vorher Bohren. Deckel und Boden sollten natürlich etwas übermass haben, damit nachher alles bündig gefräst werden kann. Zur Ausrichtung an dem bereits bestehenden Gerüst hilft eine angezeichnete Mittelachse auf Deckel und Boden. Vor der Verklebung habe ich die beiden Teile mit Wasserdampf auf ihre neue "Richtung" vorbereitet. Je nach Holzauswahl kann man sich das sparen; je weicher das Holz, desto einfacher die Biegung (und desto leichter der Rahmen).
Wenn dann der Rahmen komplett und hohl vor einem liegt, werden die überstände gefräst, abgefeilt oder geschliffen. dann kann eine Rundung angebracht werden, ich bevorzuge hier die Oberfräse. Allerdings sollte man nicht mehr als 5mm Radius wegnehmen, sonst wird die Klebeverbindung geschwächt.
Jetzt können die Gratleisten für die Sitzhalterung aufgeklebt werden, natürlich gibt es auch ganz andere Möglichkeiten für eine Sitzbefestigung. Diese Lösung wurde bevorzugt, weil sie eine traditionelle Möbelverbindung darstellt und deshalb besser in das Projekt "Meisterstück" passte. Denkbar ist auch eine gefederte Sitzschwinge mit Drehpunkt im Bereich des Steuerrohres. Entsprechend ist auch die Verbindung der Aluminiumteile mit dem Rahmen mit einem semi-elastischen PUR-Kleber denkbar, auch hier war die Technik der Klemmung eher "fachgerecht" als sinnvoll........
Fortsetzung und "english version" folgt.
Technische Zeichnung
Es besteht die Möglichkeit, sich hier die ca. 350kb große GIF-Datei runterzuladen, die den vorderen Teil des Rahmens und eine Miniatur von allen 3 Seiten zeigt, alles noch handgezeichnet und gescannt, eine CAD-Zeichnung folgt evt. demnächst. Dies ist ausdrücklich eine Einladung das Rad nachzubauen!Download >>Zeichnung